Rede des Präsidenten am Ehrenmal

Der Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes lautet:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."

Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Sehr verehrte Gäste, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Krechting, liebe Schützenbrüder.

Herzlich willkommen an unserem Ehrenmal in Krechting.

Der unmittelbare Auslöser für die heute gültigen Menschenrechte waren die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs und der Holocaust.

Menschenrechte sind Rechte, die allen Menschen zustehen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Nationalität, ethnischer Zugehörigkeit, Sprache, Religion oder einem anderen Status.

Die Menschenrechte wurden eingeführt, um jeden Menschen allein aufgrund seines Menschseins vor Willkür, Gewalt und Unterdrückung zu schützen. Sie sollen die menschliche Würde bewahren und jedem Einzelnen ein freies, selbstbestimmtes Leben ohne Diskriminierung ermöglichen.

Die internationale Gemeinschaft wollte mit den Menschenrechten sicherstellen, dass die Menschenwürde nie wieder mit Füßen getreten wird.

Mit dem deutschen Grundgesetz ist diese internationale Erklärung am 23.05.1949 in Deutschland gesetzlich verankert worden.

Die Menschenrechte sind aus meiner Sicht einer der wichtigsten Errungenschaften der Weltgemeinschaft als direkte Lehre aus den großen Weltkriegen.

Die Welt hat in den großen Kriegen dieser Zeit mit schrecken erlebt, was passiert, wenn Menschen nur aufgrund Ihrer Herkunft, Ihres Glaubens, Ihrer Hautfarbe oder einfach nur weil sie nicht die Meinung vertraten, die das jeweilige Regime vorgegeben hat, verfolgt und millionenfach getötet wurden.

Die verantwortlichen waren davon überzeugt, dass andere Länder, Andersgläubige oder einfach Fremde dafür verantwortlich waren, dass es Ihnen schlecht geht. Millionen Menschen wurden nachweislich manipuliert, nur um den Allmachtsphantasien der Hauptverantwortlichen zu dienen.

Langfristig hat dies immer zu deutlich schlechteren Lebensbedingungen geführt. In vielen Fällen sogar zu unfassbarem Leid und Tod.

Damit wir dies nie vergessen und uns bewusst machen, wohin es führt, wenn Menschen, Menschen zum Feind machen stehen wir heute wieder hier am Ehrenmal.

Wir Gedenken hier heute nicht nur aller gefallen Soldaten sondern allen Opfern dieser schrecklichen Kriege, ganz gleich welcher Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Nationalität, ethnischer Zugehörigkeit, Sprache, Religion.

Wir Gedenken hier am Ehrenmal zudem aller verstorben Schützenbrüder, deren Partnerinnen oder Partnern, sowie allen verstorbenen Krechtinger Bürgerinnen und Bürger, die seit dem letzten Schützenfest verstorben sind.

Dies waren:

  • Karl-Heinz Nobis
  • Gudula Rickert
  • Margareta Dückerhoff
  • Anette Ebbers
  • Alfons Kalkofen
  • Franz Josef Beckmann
  • Hedwig Spree
  • Elisabeth Karshüning
  • Lisel Grunden
  • Wilhelm Grunden
  • Jürgen Laukötter
  • Annemie Rochner
  • Hedwig Schülting

Wir werden sie alle in guter Erinnerung behalten.

Ich bin davon überzeugt das Zusammenhalt, Gemeinschaft, Tradition und vor allem ein positives und offenes Miteinander einen wichtigen Einfluss darauf haben wie Menschenwürde gelebt und empfunden wird.

Für mich sind wir alle dafür verantwortlich. Jede und Jeder kann Vorbild sein und Einfluss nehmen. Davon bin ich fest überzeugt.

Ich bedanke mich bei Euch allen für die Aufmerksamkeit und wünsche uns allen ein friedliches, harmonisches und geselliges Schützenfest 2026 und möchte meine Ansprache gerne mit einem Zitat unseres ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizecker beenden.

Dieser sagte in seiner Rede anlässlich des 40-jährigen Gedenkens an den Holocaust:

«Nur eine solidarische Welt kann eine gerechte und friedvolle Welt sein.»